Trügerische Idylle
- Die Bootsoma

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The Village Deep Down von Johanna Wolfmann
Erschienen 2025, 820 S.
Mit herzlichem Dank an die Autorin des Romans für das Rezensionsexemplar.

Vom Meer aufs Land
Vor fünf Jahren erschien Johanna Wolfmanns erster großer Roman Als wir verschwanden. Der Science-Fiction-Roman beginnt auf dem Meer, die ersten Szenen spielen auf einer Segelyacht. Genau die richtige Lektüre für mich als Bootsoma also. Dass ich das gesamte Buch damals sehr gerne gelesen habe, liegt weniger an einer Vorliebe für Zukunftsromane als an der Qualität des Buchs. Die 580 Seiten voller Utopie und Dystopie zogen mich in ihren Bann.
Umso gespannter war ich auf das neue Buch von Johanna Wolfmann „The Village Deep Down“, das mit 820 Druckseiten noch einmal deutlich umfangreicher ist. Zunächst habe ich die ePUB-Leseprobe heruntergeladen und gelesen. Schon nach der Leseprobe war klar, dass eine andere Art von Spannung im Mittelpunkt steht als im ersten Roman. Die äußere Spannung hat sich auf eine Bewusstseinsebene verlagert. Eine sehr umfangreiche Leseprobe ist das übrigens, sie umfasst 32 Kapitel. Die Leseprobe ziehen gut in die Handlung hinein und enden natürlich genau an einer Stelle enden, an der ich als Leserin unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass ich das gesamte E-Book lesen durfte.
Ein so langes Buch erfordert eine gute Gliederung. 60 Kapitel verteilen sich gleichmäßig auf sechs übergeordnete Abschnitte, zu denen weitere Abschnitte am Anfang und Ende hinzukommen.
Finge der Roman nicht mit dem wichtigen Abschnitt „Attunement Einstimmung“ an, wer weiß, ob ich weitergelesen hätte. Auf den ersten Seiten heißt es z. B. „Warum haben wir dreitausend Jahre lang Frauen unterdrückt? Ganz einfach: Weil es sich bewährt hat.“ Die eigentliche Handlung beginnt im Abschnitt „The Show Das Schauspiel“ und in dem Dorf, das dem Buch den Titel verleiht. Ein Dorf mit einer starren, archaischen Welt, in der jede Frau, jeder Mann in ein Korsett an Regeln gepresst ist. Hier begegnen wir Trish, der einzige in dieser Welt, der einen Funken Rebellion in sich trägt.
Der Protagonistin Cy Miller begegnen Lesende im zweiten Abschnitt „The Stake Der Einsatz“. Erst in den Kapiteln dieses Abschnitts wird klar, dass das Dorf eine Inszenierung ist und warum die Dorfbewohner nicht frei handeln und entscheiden können. Die weiteren Abschnitte „The Deception Die Täuschung“, „The Offer Das Angebot“, „The Queen in the Game Die Dame im Spiel“, „Rien ne va plus Nichts geht mehr“, „Game over Das Spiel ist aus“ verbinden und verweben allmählich Trish und Cy und ihre konträren Lebenswelten. Und bringen uns Lesende ins Grübeln: über Selbst- und Fremdbestimmung, über Gefühle, Macht, Lust und Gewalt, über die Frage, wie und welcher Gesellschaft wir leben wollen. Die Abschnitte „Epilog Nachspiel“ und „Appendix Anhang“ runden das Buch ab.
Das ist nur ein minimaler Einblick in einen langen und sprachlich sehr gelungenen Roman. Sehr viel mehr ließe sich zu den einzelnen Handlungssträngen schreiben. Oder zu den Akteuren: von der Sphäre und OS zu Personen wie Odin und Zack. Das ist kein Buch, das sich in wenige Sätze pressen lässt, und es ist auch kein Buch, das man mal eben runterliest. Dazu ist es inhaltlich viel zu komplex und zu umfangreich.Wer Zukunftsromane mag und sich von dystopischen Elementen nicht schrecken lässt, wird es gerne lesen, Ausdauer beim Lesen immer vorausgesetzt.
Wie gut, dass es zum Einstieg die lange Leseprobe gibt, denn so kann man erst einmal hineinlesen in diese Zukunftswelten und dann übers Weiterlesen entscheiden.
Meine Bewunderung für das komplexe Werk ist der Autorin sicher.




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